Hömma, Mr. Westerwelle
Mittwoch, 17. Februar 2010 11:51
Ich lausche gerade Ihrer Rede am politischen Aschermittwoch im TV.
Leistung muss sich lohnen, sagen Sie. Wie wahr, wie wahr. Jemand, der arbeitet, muss mehr haben, als jemand, der nicht arbeitet. Auch wahr – keinerlei Widerspruch.
Leider ziehen Sie die falschen Konsequenzen daraus. Sie wollen nicht, dass die Löhne hart arbeitender Menschen ihrem Arbeits-Einsatz gemäß angehoben werden, Sie verlangen lediglich geringere Steuerbelastungen für Besserverdiener, wollen aber die Hartz IV-Beträge noch weiter nach unten drücken. Doch das löst das Problem nicht – im Gegenteil, das gefährdet den sozialen Frieden, denn von noch weniger, kann man nicht leben. Falls Sie der Meinung sind: Doch, das kann man, versuchen Sie es doch einmal selbst …
Sie verweigern sich Mindestlöhnen und tun nichts dagegen, dass Unternehmen sich um das Zahlen ordentlicher und gerechter Entlohnungen, von denen Menschen wirklich leben können, herumdrücken und stattdessen das Geld des Steuerzahlers als Aufstockung mit einplanen. So zahlen wir im Grunde alle dafür, dass ein Arbeitsplatz entsteht und dem Arbeitenden trotzdem nicht genügend Geld für eine menschenwürdige Existenz zur Verfügung steht. Ich mag eigentlich nicht die Lohnzahlungen für die Firmen übernehmen, damit die Chefetagen sich auf diese Weise noch mehr Luxisgüter gönnen können. Oder werde ich auch an deren Gewinnen beteiligt?
Ja, und dass jemand, der hart arbeitet, gezwungen wird, den Staat zusätzlich zu seinem spärlichen Entgelt anzubetteln, Anträge ausfüllen und sich erniedrigen zu müssen, kann es ja wohl auch nicht sein.
Merken Sie denn nicht, dass das absolut entwürdigend und ungerecht ist???
Anscheinend haben Sie den Richtern des Bundesverfassungsgerichtes nicht richtig zugehört. Jedenfalls haben Sie ausgeblendet, was Ihnen nicht in den Kram passt.
Die Richter haben eindeutig zu verstehen gegeben, dass auch Hartz IV-Empfängern ein menschenwürdiges Leben und Teilhabe (auch) am kulturellen Leben zuzubilligen ist, und dass die Hartz IV-Sätze das im Augenblick nicht gewährleisten.
Wer kann diesen Richterspruch nur so interpretieren, dass man die Sätze auch nach unten korrigieren könnte? Also wirklich …! Da muss man schon eine Menge “liberale” und unbarmherzige Fantasie haben …
So wie Sie das Wort “sozial” verwenden, klingt es fast wie ein Schimpfwort …
Nee, nee, Mr. Westerwelle, ich hoffe, dass Sie ganz fix wieder weg vom Fenster sind! Nicht die Hartz IV-Sätze müssen nach unten, sondern die Wahlergebnisse der FDP!
Thema: Politik/Gesellschaft, Tage wie diese | Kommentare (7) | Autor: Ulinne





















