Freitag, 16. Mai 2008 16:33
Ich sehe mir sehr gern kritische TV-Magazine an. Auch PANORAMA gehörte bisher immer dazu. Gestern jedoch war ich über einen sehr schlecht recherchierten und höchst tendenziösen, ja fast hetzerisch irreführenden Beitrag sehr erschreckt und zwar über diesen:
“Zwei-Klassen-Medizin – Teure Privilegien für Beamte und Abgeordnete“.
(Ein Bericht von Tamara Anthony, Ben Bolz, Nils Casjens, Bettina Schön, die man wohl allesamt kaum als “Journalisten” bezeichnen kann.)
Hier wurde – einmal mehr in den Medien – die gesamte Palette des Anti-Beamten-Registers gezogen, und zwar höchst lückenhaft und einseitig. Deshalb drängt es mich doch sehr, hier noch ein paar (hoffentlich) erhellende und aufklärende Tatsachen hinzuzufügen.
Wahr ist: Beamte sind in der Regel privat krankenversichert. (Auch ich, aber ich habe mir das nicht ausgesucht.)
Wahr ist auch: Der Staat zahlt über die Beihilfe einen Teil der (leider) erhöhten privaten Arztrechnungen mit. (Der Grund dafür, dass diese Arztrechnungen allerdings – wie bei allen Privatversicherten – aus dem 2,3-fachen Honorarsatz bestehen, liegt in der Gebührentabelle, für die kein Privatversicherter etwas kann. Da müsste man die Gebührenordnung ändern, denn auch mir entzieht sich diese Regelung bisher jedes Verständnisses.)
Nun zieht PANORAMA in seinem Bericht daraus eine Konsequenz (bei der befragte Passanten natürlich prompt entrüstet fordern, dass man den Beamten dieses “Privileg” umgehend zu entziehen habe):
Beamte kommen den Staat – was die Gesundheitskosten anbetrifft – sehr, sehr teuer.
Ja, dann möchte ich doch mal eine Gegenrechnung aufmachen:
Der Arbeitgeber meines Mannes muss für ihn, der gesetzlich krankenversichert ist, jeden Monat eine Menge Euros als Arbeitgeberanteil für die Krankenversicherung abführen.
Und was führt das Land NRW für mich jeden Monat an eine Krankenversicherung ab?
Nichts!
So lange ich nicht krank bin, gibt es für das Land also nicht einen einzigen Cent an Gesundheits-Kosten für mich als Beamtin. Und da waren etliche Jahre, in denen ich kein einziges Mal beim Arzt war oder Medikamente brauchte – demzufolge auch keine Rechnungen eingereicht habe. In diesen Jahren habe ich das LBV also nichts gekostet , denn für meine anteilige private Krankenversicherung zahle allein ICH von meinem Nettoeinkommen – damit hat das LBV nichts zu tun. Im aktiven Dienst sind das 50%, wobei von bei der Beihilfestelle eingereichten Rechnungen auch noch ein erheblicher Teil als sogenannte “Kostendämpfungspauschale” vom Land nicht rückerstattet wird, also ebenfalls an MIR ganz persönlich hängen bleibt.
Wo also bin ich nun so wahnsinnig teuer für den Steuerzahler??
Sicher, wenn Beamte einmal krank werden wird es (auch für den Staat/das Land) teurer, als wenn wir Beamte gesetzlich versichert wären, da es ja diese unsinnige Gebührenordnung mit dem 2,3-fachen Satz für Privatversicherte gibt (von der Gesamtrechnung trägt die Beihilfe allerdings nur 50% – höchstens, falls sie nicht noch einige Positionen als nicht erstattungswürdig erachtet, die andere Hälfte bezahlt meine Krankenversicherung!), aber hat man in der PANORAMA-Redaktion schon mal ausgerechnet, wie hoch die Kosten für Bund und Länder wären, wenn stattdessen für die Beamten jeden Monat ein Arbeitgeberanteil für eine gesetzliche Krankenversicherung abgeführt werden müsste, und zwar für alle , auch für diejenigen, die jahrelang nicht krank sind?
Ich gehe sogar eher davon aus, dass das SO nicht geschieht, weil es im Endeffekt für den Steuerzahler BILLIGER ist! Und bisher haben dies auch alle entsprechenden Untersuchungen so bestätigt, denn natürlich ist das durchgerechnet worden.
Die PANORAMA-Redaktion, deren “Erzeugnisse” ich ansonsten immer sehr geschätzt habe, sollte es vermeiden, irreführend, schlampig und auf BILD-Niveau (mit Blick auf die Quote) zu berichten, statt das Volk dermaßen unqualifiziert gegen Beamte aufzubringen.
Ich bin schwer enttäuscht!
Jedenfalls hat dieser Beitrag mir klar gemacht, was ich nun von so manchem anderen PANORAMA-Beitrag zu halten habe …
Das ARD-Forum zu diesem PANORAMA-Beitrag