Freitag, 20. August 2010 10:17
Dieses politische und mediale Theater um Google-StreetView finde ich einfach nur lächerlich und dem Sommerloch geschuldet. Es schürt Angst bei den Menschen – ohne Informationen über Tatsachen. (Nachtrag: Und wie Sue bei den Kommentaren (siehe unten) schreibt, liefert man Google beim Ausfüllen der empfohlenen Widerspruchs-Anträge erst recht neue Daten, an die Google ohne diese Aktion nie gekommen wäre.)

Wer ohnehin im Netz auf allen Hochzeiten tanzt – mit eigenen WebSites, Blogs, Mitgliedschaften in sozialen Netzwerken etc. … – wer der Welt also bereits ohne Google-StreetView jede Menge über sich preisgibt, für denjenigen dürfte es auch kein Drama sein, wenn man auch im Netz zu sehen bekommt, was jeder im Vorbeigehen oder -fahren sehen kann: die Fassade des Hauses, in dem er lebt, Fenster, Türen, Zäune, Hecken etc. …
Hallo – die deutschen Google-Streetview-Bilder sind zwei Jahre alt, also nichts Aktuelles. Kein Möchtegern-Einbrecher kann über StreetView sehen, ob aktuell z.B. auch tagsüber die Rolladen des Hauses heruntergelassen sind, ob der Briefkasten überquillt, ob Hunde den Garten schützen, ob es Alarmanlagen gibt etc. – nein, um solche Dinge ausspionieren, müssen diese Leute sich schon mal real auf den Weg machen, da ist eine einfache, 2 Jahre alte Hausansicht ja sowas von ungeeignet. Aber diese mögliche Gefahr wird den Menschen suggeriert.
Wer befürchtet, dass man ihm in den Garten schaut, hätte durch GoogleMaps, das bereits seit Jahren – bislang ohne jede Anfechtung durch Politik oder Datenschützer – verfügbar ist, viel eher Grund zur Sorge, denn der Blick von oben zeigt bedeutend mehr von der Gesamtheit eines Grundstückes, als diese Fotos von außen, die der Google-Wagen im Vorbeifahren geschossen hat, und die auch jeder Passant mit dem Handy am hoch erhobenen Arm schießen könnte.
Auch Stalker kommen mit GoogleMaps und anderen Geodiensten mindestens genauso weit wie mit StreetView, wenn ihnen die Adresse ihres Opfers bekannt ist …
Die augenblickliche Panikmache ist also völlig unangebracht und soll wohl sonstige Fehler im Verbraucherschutz kaschieren.
Statt die Verbraucher vor Produkten zu schützen, die nicht enthalten, was auf der Packung steht, statt endlich eine Ampelkennzeichnung – auch gegen den Willen der Nahrungsmittel-Lobby – einzuführen, statt die Menschen endlich wirkungsvoll gegen unseriöse Vertragsabschlüsse am Telefon zu schützen, vor Abzocke der Energiekonzerne, vor Vorratsdaten-Speicherung, (und da gibt es noch viele weitere Felder, die dringend zu beackern wären!), krallt unsere Verbraucher-Ilse sich nun an diesem Thema fest und hofft, dass die Bürger, die entweder keinen PC mit Internetanschluss zuhause haben, oder sich mit diesen Dingen ansonsten nicht bzw. wenig auseinandersetzen, ordentlich Angst bekommen und ihr dankbar sind für ihren – ach so – engagierten Einsatz.
Das ist unseriös und als Ersatzhandlung durchschaubar!
Nun ja, und die Medien brauchen halt auch immer ein Sommerthema …
Außerdem gibt es bereits andere Dienste dieser Art – beispielsweise SightWalk, die bereits Straßenansichten in größeren Städten im Netz haben. (Artikel in der TAZ)
Entweder sind sie der Frau Aigner bisher nicht aufgefallen, oder ihre Namen sind nicht so spektakulär und bekannt wie Google …